Wie im letzten Beitrag angekündigt, nun der Reise- und Erfahrungsbericht meines ersten MovNat Workshops in Berlin unter der Anleitung von Bernd Reicheneder von MovNat München. http://www.movnatmuenchen.de/

Um zunächst einen groben Überblick zu geben, hier ein paar Fakten:

ca. 18 Teilnehmer, betreut von Bernd – als sag ich mal Haupttrainer. Zusätzlich waren noch 2-3 MovNat Trainer vor Ort die mit Rat und Tat zur Seite standen. Somit ein sehr gutes Trainer-Trainierende-Verhältnis, welches eine sehr intensive Betreuung möglich machte.


Der Samstag begann ganz locker mit Partnerarbeit. Zwei Teilnehmer stehen sich gegenüber und los gehts. Ziel war es den anderen aus dem bestehendem Gleichgewicht zu bringen. “Schieben, Drücken oder Beugen” je nach dem was einem so für Bewegungsmuster einfallen. Jeweils beide Handflächen der Partner lagen dabei aufeinander. Bei etwa 35°C Umgebungstemperatur war ich in relativ kurzer Zeit sehr gut erwärmt, genau wie auch alle anderen um mich herum.

MovNat Kurs Berlin
Warm up

Und dann ging es richtig los mit dem Spaß!

Was man alles lernt, was wir alles gemacht haben, ich kann es gar nicht vollständig wiedergeben. So ohne Aufzeichnungen, denn diese konnte ich mir vor lauter Fülle der Tipps und Tricks nicht alle machen bzw. merken.

Zunächst das Liegen auf dem Boden, rücklings, Atmen, in den Bauch mit voller Konzentration. Aufsetzen, mit Schwung und ohne, Wirbel für Wirbel spüren wie der Boden verlassen wird.

Gerades Sitzen, wie meine Kinder es unbewußt tagtäglich tun. Wir Erwachsenen sind dazu nicht mehr  in der Lage oder aber wir brechen uns dabei fast den Rücken. Aus dem Sitzen gibt es anscheinend viele verschiedene Varianten in die Hocke, die tiefe Kniebeuge oder das Stehen zu kommen. Was ich bis dato nicht wußte. Mein Horizont hat sich um Einiges erweitert. Die Umgebung und das Bewegen in ihr auf eine ganz neue Art und Weise zu betrachten. Natürlich könnte ich das ganze Erlernte jetzt auch mit den offiziellen MovNat Begriffen benennen. Da ich aber das Handbuch noch nicht gelesen habe, spare ich mir das für die Certification auf. Dann ging es raus auf den auf der anderen Straßenseite gelegenen Sportplatz. Balancieren auf Holzlatten. Geil. Das war ein Spaß. Nebenbei noch “Crawling” über die Wiese und zum Abschluss ein Zirkeltraining, in dem alles bis jetzt Erlernte umgesetzt werden sollte.

Pause.

Die war auch nötig. Soviel Input war ich gar nicht mehr gewöhnt. Ein Satz den ich mir zum Balancieren unbedingt merken wollte:

“Let the toes be your eyes.”

Drückt denke ich den Sinn und die Vorgehensweise des Balancieren sehr direkt aus.


Am Nachmittag, ich hoffe meine Erinnerungen sind richtig (das kommt davon wenn man 1,5 Wochen wartet bis man alles aufschreibt), ging es um Hindernisse und Springen. Den ein oder anderen Teilnehmer hat es dann doch vor lauter Erschöpfung schon mal vom “Obstacle” herunter oder umgehauen. Aber das passt sehr gut zum Konzept von MovNat. Man kann im eigentlichen Sinne nicht scheitern. Ich war auf alle Fälle k.o.

Dann kam der letzte Teil des Tages . HÄNGEN. SCHWINGEN. usw. Zum Glück hatte ich den Tag zuvor gerade meine Pull Training absolviert. So konnte ich gut an meinen Handschwielen spüren, wie das so ist, die ganze Zeit zu hängen. Hin- und Her zu schwingen. Tat ganz schön weh, oder aber ich war einfach schon zu fertig. Zum Glück gab es Chalk. Sonst hätten meine Hände vermutlich schon nach der ersten Sekunde versagt.

Ein schöner Samstag. Die MovNat Philosophie werde ich mir auf jeden Fall genauer zu Gemüte führen, aber jetzt wollte ich eigentlich nur noch schlafen. Sofort.


Sonntag.

Gut ausgeschlafen. Hatte ich doch schon ein bisschen Angst. Vermutlich unbegründet, aber sie schlummerte in mir.

Zunächst das Warm up, beginnend mit Liegen. Atmen. Schön. So will ich bleiben.

Warm up-Liegen-Atmen. MovNat Workshop Berlin.

Die Übungen von gestern wurden wiederholt, vertieft und mit neuen kombiniert. Vielleicht hätte ich mich öfter mal raus nehmen müssen und was Brauchbares aufschreiben sollen. Hm. Hab ich aber nicht getan. Zum Glück gibt es das MovNat Handbuch, welches soweit ich weiß frei im Internet verfügbar ist. Ausdrucken – unbedingt. Am Nachmittag gehts zum Spielen auf die Insel der Jugend am Treptower Park. Endlich in die Sonne. Endlich frische Luft. Das muss ich sagen hat mich in dem Gym echt gestört. Das Gefühl keine oder nur stickige Luft abzubekommen.

Der Calisthenics Park war dafür aber umso schöner. Klein aber fein. Brauchbar für das was anstand. HÄNGEN, SCHWINGEN und Hochklettern. Wer kann. SCHWINGEN und STOPPEN. Oder wer auch kann SCHWINGEN und SPRINGEN zur gegenüberliegenden Stange.


Alles in Allem ein sehr angenehmer Workshop mit sehr guten Lehrern. Leider hab ich erst im Laufe des Samstages mitbekommen, dass so einige schon Freitag mit dem Workshop begonnen haben um sich Zertifizieren zu lassen. Hätte ich das gewusst, wäre ich vermutlich auch da mit eingestiegen. Denn ganz ehrlich die Anforderungen sind nicht so wahnsinnig hoch und können anscheinend auch ohne riesige Vorkenntnisse oder jahrelange Übung im MovNat Training erfüllt werden.

Meine Quintessenz zu diesem Thema. Üben Üben Üben. In das tägliche Workout miteinbinden. Vielleicht die Zertifizierung mal irgendwann anstreben. Die findet nur leider nicht so häufig in Deutschland statt…

Und zu guter Letzt-meine Erkenntnis: Man kann die Zeit, die man auf dem Spielplatz oder in der Natur mit den Kindern verbringt auch als Elternteil sinnvoll nutzen. Man wird nur zwangsläufig die Blicke der anderen Eltern auf sich ziehen, wenn man versucht an der Schaukel der Kinder hoch zu klettern:) Oder balanciert auf allen möglichen Stangen. Egal. Damit kann ich umgehen.

Bis dahin, auf ein Wiedersehen.

MovNat Teilnehmer, Insel der Jugend, Berlin 2018.

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